Karlsruhe, 27.04.2026, 8:30 Uhr – Täuschend echt aussehende Briefe kündigen Erdgasbohrung auf Turmberg an
Verwundert und verärgert waren viele Anwohnende des Turmbergs, als sie am Wochenende ihre Post sichteten: Ein Schreiben, scheinbar von der EnBW, informierte sie darüber, dass Probebohrungen für die Gasgewinnung am Standort Turmberg durchgeführt werden sollten. „Die geplanten Maßnahmen sind in einer Vielzahl von Fällen unbedenklich für die Qualität des Trinkwassers“, heißt es dort unter anderem. Entsprechend groß war die Aufregung.

Tatsächlich handelt es sich um eine humoristische Aktion des Widerstands-Kollektivs. Die Gruppe informiert über die Risiken einer umstrittenen Methode zur Erdgasgewinnung, die als „Fracking“ bekannt ist.
In einer Mitteilung schreiben die Aktivist*innen: „Wenn Wirtschaftsministerin Reiche von Fracking in Deutschland spricht, betreibt sie ein sprichwörtliches Spiel mit dem Feuer“. Tatsächlich sind aus Regionen, in denen Fracking bereits heute betrieben wird, zahlreiche gravierende Umweltprobleme bekannt. So häufen sich Berichte aus Louisiana (USA), dass dort das Leitungswasser entflammbar sei, aufgrund des bei der Extraktion ins Grundwasser entweichenden Gases. [1]
Die Verantwortlichen für das Fracking in Louisiana kommen aber schon heute aus der Region: Die EnBW, mit Sitz in Karlsruhe, gehört zu den größten Abnehmern für das umweltschädliche Fracking-Gas aus den USA, dem bereits über 4.000 Hektar ökologisch wertvolle Feuchtgebiete zum Opfer gefallen sind. Zum Vergleich: Das ist etwa 10 mal die Fläche der Karlsruher Innenstadt. [2,3,4]

Das Widerstands-Kollektiv schließt seine Mitteilung mit einem Statement: „Zum Glück wird in Durlach doch nicht gefrackt. Die gravierenden Auswirkungen für Mensch, Natur und Umwelt sind aber leider nicht erfunden. Dass wir diese Form der Umweltzerstörung anderswo finanzieren, bleibt ein Skandal!“
[1] https://www.focus.de/finanzen/news/fracking-opfer-in-den-usa-das-leitungswasser-taugt-nur-noch-zum-klospuelen_id_2622006.html
[2] https://www.enbw.com/investors/news-and-publications/enbw-venture-global-lng.html
[3] https://taz.de/LNG-Boom-in-den-USA/!5975624/
[4] https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Stadtteile_von_Karlsruhe
Fotos zu dieser und weiteren Aktionen: photos.widerstands-kollektiv.org
Das Widerstands-Kollektiv ist eine Gerechtigkeits-Bewegung, die sich Ende Februar 2025 als eines der beiden Nachfolge-Projekte aus der Letzten Generaton gegründet hat.
Im Fokus des Widerstands-Kollektivs steht die Notwendigkeit gerechten Klimaschutzes.
Das Projekt sieht die Klimakatastrophe als eine soziale, ökologische und demokratsche Krise. Es versucht jedoch nicht mehr, Druck auf eine Regierung auszuüben, die sich in den vergangenen Jahren als unfähig (oder unwillig) erwiesen hat, sondern wird gerechten Klimaschutz selber machen.
Das Widerstands-Kollektiv setzt überall dort an, wo sich Zerstörungen und Ungerechtigkeiten abspielen. Dafür werden verschiedene Protestformen genutzt. Beispielsweise werden Parkplätze in Grünflächen umgewandelt oder Radwege gemalt gemacht. Außerdem nimmt die Gruppe diejenigen, die sich an der Zerstörung bereichern, in die öffentliche Verantwortung. Durch ungehorsame Versammlungen sollen Konzernzentralen, Flughäfen oder Baustellen besetzt werden. Umweltschäden werden direkt verhindert, etwa durch die Stillegung klimaschädlicher Anlagen oder das öffentliche Bloßstellen von klimaschädlichen Konzernen.
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