Berlin, 10.07.2025, 03:00 Uhr – Radweg in Senefelderstraße
In der Senefelderstraße in Prenzlauer Berg haben engagierte Menschen vom Widerstands-Kollektiv einen dringend benötigten Radweg in Eigenregie angelegt - und das schon zum zweiten Mal. Bereits Ende Mai hatten Ehrenamtliche dort einen Radweg angelegt. Der wurde leider in der Zwischenzeit vom Berliner Senat entfernt, weshalb die sie jetzt wieder mit Farbe, Pinsel und Schablonen angerückt sind und den Radweg erneuert haben.
Die Senefelderstraße ist eigentlich Teil des Radvorrangnetzes und wäre damit ein wichtiger Teil der Radinfrastruktur zwischen Pankow und Mitte, der von Radfahrenden dringend benötigt wird. Die lange geplante und genehmigte Fahrradstraße wurde aber von der Verkehrsverwaltung trotz anderslautender Versprechen bisher immer noch nicht nicht gebaut.
Obwohl die Straße mitten in einem Wohngebiet liegt und teilweise verkehrsberuhigt ("Spielstraße") ist, rasen dort regelmäßig Autofahrende durch den Kiez, auch um Staus in der Prenzlauer Allee zum umfahren, und gefährden damit junge und alte Menschen.
„Wir sind heute wieder mit Pinsel und Farbe da und legen den Fahrradweg erneut an“, sagt eine der Ehrenamtlichen, die heute an der Aktion beteiligt sind.
„Wir brauchen schnelle Fortschritte beim Ausbau der Radinfrastruktur und wir brauchen wirkungsvollen Schutz vor rücksichtslosen Autofahrenden. Das wurde uns zwar versprochen, aber Fortschritte gibt es keine. Im Gegenteil, den letzten Radweg hat der Berliner Senat sogar entfernen lassen.“
Auch Menschen der Gruppe Sand im Getriebe Berlin haben heute im Berliner Norden einen Radweg angelegt. Der neue Radweg ist 300 Meter lang und befindet sich in der Neumannstraße, nur zwei Kilometer entfernt von der Senefelder Straße.
Während die Verkehrsverwaltung beim Bau neuer Autobahnen und Autobahnbrücken zeigt, dass schnelles Handeln möglich ist und angesichts der immensen Kosten auch, dass im Zweifel Geld da ist, fehlt für die Verkehrswende der politische Wille. Auch beim Rückbau der von den Ehrenamtlichen angelegten Radwege ist die Politik schnell. Das Bezirksamt Pankow hatte den Ende Mai angelegten Radweg nach kurzer Zeit entfernen lassen. Auf Mediennachfrage wurde auch angekündigt, dass man sich um den dringend benötigte Schutz von Zufußgehenden und Radfahrenden in der Senefelderstraße kümmern wollte.
Das ist jedoch offensichtlich nicht passiert.
Der Frust der Anwohnenden über die gefährliche Lage und das nichts-Tun des Berliner Senats steigt.
Einer der betroffenen Anwohnenden erklärte nach dem ersten Radweg in einem Interview, dass er die Aktion sehr begrüßt. Er ärgert sich über die Untätigkeit des Senats: "Worauf waret man? Mehr Tote?" [1]
Laut dem Dekra-Verkehrssicherheitsreport steigt die Anzahl der Verkehrstoten in Berlin. [2] Allein in den letzten vier Wochen sind vier Fußgänger:innen in Berlin von Autofahrenden getötet worden.
„Die Schnelligkeit der Politik beim Entfernen der Radwege bräuchten wir beim Voranbringen der Verkehrswende!“, erklärt eine weitere Ehrenamtliche, während sie die Linie des neuen Radwegs malt.
„Es ist eine Frechheit, dass sich der Senat weigert, die Sicherheit der Anwohnenden zu schützen und damit Menschenleben aufs Spiel setzt. Wir alle haben das Recht, auf unserem Schul- oder Arbeitsweg sicher zu sein."
Deshalb ist das Widerstands-Kollektiv erneut aktiv geworden und hat auch dort die sozial gerechte Verkehrswende in die eigenen Hände genommen.
Ganz nach ihrem Motto selber machen legen die Ehrenamtlichen nicht nur Radwege an, sondern auch Zebrastreifen, Tempo 30 Zonen, sie entsiegeln Parkplätze oder legen klimaschädliche SUVs still.
Aktionen wie diese erhalten in Berlin und ganz Deutschland viel Zuspruch aus der Bevölkerung und zeigen, dass großer Bedarf vorhanden ist.
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Das Widerstands-Kollektv ist eine Gerechtigkeits-Bewegung, die sich Ende Februar 2025 als eines der beiden Nachfolge-Projekte aus der Letzten Generaton gegründet hat.
Im Fokus des Widerstands-Kollektivs steht die Notwendigkeit gerechten Klimaschutzes.
Das Projekt sieht die Klimakatastrophe als eine soziale, ökologische und demokratsche Krise. Es versucht jedoch nicht mehr, Druck auf eine Regierung auszuüben, die sich in den vergangenen Jahren als unfähig (oder unwillig) erwiesen hat, sondern wird gerechten Klimaschutz selber machen.
Das Widerstands-Kollektiv setzt überall dort an, wo sich Zerstörungen und Ungerechtigkeiten abspielen. Dafür werden verschiedene Protestformen genutzt. Beispielsweise werden Parkplätze in Grünflächen umgewandelt oder Zebrastreifen gemacht. Außerdem nimmt die Gruppe diejenigen, die sich an der Zerstörung bereichern, in die öffentliche Verantwortung. Durch ungehorsame Versammlungen sollen Konzernzentralen, Flughäfen oder Baustellen besetzt werden. Umweltschäden werden direkt verhindert, etwa durch die Stillegung klimaschädlicher Anlagen oder das öffentliche Bloßstellen von klimaschädlichen Konzernen.
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