Karlsruhe, Freitag, 26.09.2025, 07:25 – SVS in Karlsruhe Durlach stillgelegt
Am Donnerstag haben Ehrenamtliche des Widerstands-Kollektivs gehandelt: Sie ließen mittels kleiner roter Linsen, die sie in die Autoventile steckten, die Luft aus Reifen von SUVs (Sport Utility Vehicle) in Karlsruhe Durlach. Sie hinterließen deutlich sichtbare Informationszettel (8), in denen sie die Aktion erklärten und deutlich machten, dass sie Luft aus einem der Reifen gelassen hatten und warum.
"Die Modelle des Typs SUV sind für den städtischen Raum eine Zumutung!"
"Die Modelle des Typs SUV sind für den städtischen Raum aus mehreren Gründen eine
Zumutung. Sie sind für die Straßenlage vollkommen übermotorisiert und stoßen viele
Schadstoffe aus." erklärt Sarah vom Widerstands-Kollektiv Karlsruhe.
Tatsächlich stehen die Fahrzeuge immer wieder in der Kritik: Durch ihr Gewicht haben sie einen stärkeren Reifenabrieb und erhöhen damit die Feinstaubbelastung massiv. Die hohe Motorhaube ist gefährlich für Radfahrende und FußgängerInnen (2) – besonders Kinder.
Die Zahl der Kinder, die im Straßenverkehr verletzt oder getötet werden steigt seit drei Jahren wieder an (1). Dies passt zu der rasant steigenden Zahl von Neuzulassungen von SUVs (4). Kinder im Grundschulalter sind von dieser Art Fahrzeug besonders gefährdet. "Wir sollten endlich den urbanen Raum für Kinder sicherer gestalten. Alle 19 Minuten wir ein Kind laut statistischem Bundesamt im Straßenverkehr verletzt oder getötet." erklärt Sarah weiter.
Deswegen wurden heute erneut Fahrzeuge, die für Mensch und Klima gefährlich sind aus dem Verkehr genommen. Zuletzt hatten Ehrenamtliche des Widerstands-Kollektivs im August SUVs in der Karlsruher Weststadt vorübergehend fahruntüchtig gemacht.
Die Aktion bezieht sich außerdem auf die Internationale Automobil Ausstellung, welche unter massiven Protesten Anfang September in München stattfand (6).
Dort nutzten die Konzernchefs der großen deutschen Autohersteller die Gelegenheit,
gegen das bereits beschlossene Aus für Neuzulassungen von Verbrennern zu lobbyieren.
"Obwohl die Folgen der Klimakatastrophe immer offensichtlicher werden und der Verkehrssektor
seine Klimaziele Jahr für Jahr verfehlt, zeigten sich dennoch viele PolitikerInnen bereit, unsere Zukunft für die Profitgier der Konzerne aufs Spiel zu setzen. Wenn nicht mal ein grüner Ministerpräsident bereit ist, Klimaschutz über die Interessen der Autokonzerne zu stellen, müssen wir die notwendige Verkehrswende eben selber machen." erklärt Sarah vom Widerstands-Kollektiv.
So schlossen sich im Rahmen ihrer Besuche bei der IAA unter anderem der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) sowie der Ministerpräsident von Baden-Württemberg, Winfried Kretschmann (Grüne) der Forderung der Konzernchefs an, die EU-weit geltenden Klimaschutzvorgaben zu kippen (7).
Die Internationale Automobilausstellung feiert sich als Hightech- und Klimaschau, aber sie
steht für die Zerstörung von Gegenwart und Zukunft.
Automobilhersteller betreiben dort massives Greenwashing (3): Mit grünem Marketing und
Nachhaltigkeitsrhetorik soll der Eindruck erweckt werden, die Industrie sei Teil der Lösung.
In Wirklichkeit aber bleibt das Grundproblem bestehen: Eine auf Autos zentrierte
Infrastruktur, die unsere Städte zerstört, Klima kippt und soziale Ungleichheit verschärft.
Eine Sprecherin vor Ort sagte: „Eine echte Mobilitätswende braucht kein neues Auto,
sondern eine neue Vorstellung davon, wie wir uns fortbewegen – solidarisch,
ökologisch und gerecht.“
Pressekontakt: Tel. 030 50930 4086
presse@widerstands-kollektiv.org
(1)
https://www.tagesschau.de/inland/gesellschaft/kinder-verkehr-unfaelle-102.html
(2)
https://www.tagesschau.de/inland/gesellschaft/unfallstatistik-radfahrer-100.html
(3)
https://www.iaa-mobility.com/de/besucher/iaa-formate-2025/gogreen-klimaschutz
(4)
https://www.auto-motor-und-sport.de/verkehr/suv-neuzulassungen-deutschland-
2025-daten-zahlen/
(5)
https://www.spiegel.de/auto/helsinki-finnland-kein-verkehrstoter-in-einem-ganzen-
jahr-a-98114c82-40b0-4014-84a8-97e1425305f7
(6)
https://www.sueddeutsche.de/muenchen/muenchen-iaa-2025-protest-a9-aktivisten-li.3310907
(7)
https://www.zeit.de/mobilitaet/2025-09/verbrenner-aus-winfried-kretschmann-elektroauto-iaa
(8)
https://widerstands-kollektiv.org/sites/default/files/2025-03/STILLGELEGT-Text.pdf
Das Widerstands-Kollektiv ist eine Gerechtigkeits-Bewegung, die sich Ende Februar 2025 als eines der beiden Nachfolge-Projekte aus der Letzten Generation gegründet hat.
Im Fokus des Widerstands-Kollektivs steht weiterhin die Notwendigkeit gerechten Klimaschutzes. Das Projekt sieht die Klimakatastrophe als eine soziale, ökologische und demokratische Krise. Sie versucht jedoch nicht mehr, Druck auf eine Regierung auszuüben, die sich in den vergangenen Jahren als unfähig (oder unwillig) erwiesen hat, sondern wird gerechten Klimaschutz selbst umsetzen.
Das Widerstands-Kollektiv setzt überall dort an, wo sich Zerstörungen und Ungerechtigkeiten abspielen. Dafür werden verschiedene Protestformen genutzt. Beispielsweise werden Parkplätze in Grünflächen umgewandelt oder der ÖPNV kostenlos gemacht. Außerdem nimmt die Gruppe diejenigen, die sich an der Zerstörung bereichern, in die öffentliche Verantwortung. Durch ungehorsame Versammlungen werden Konzernzentralen, Flughäfen oder Baustellen besetzt. Umweltschäden werden direkt verhindert, etwa durch die Stilllegung klimaschädlicher Anlagen.